Unfallbericht richtig ausfüllen

Schritt-für-Schritt-Anleitung mit allen 17 Punkten der Kreuzchenspalte
Der Europäische Unfallbericht ist eines der wichtigsten Dokumente nach einem Verkehrsunfall. Wer ihn richtig ausfüllt, sichert seine Ansprüche und beschleunigt die Schadensregulierung. Trotzdem machen viele Betroffene dabei vermeidbare Fehler. Dieser Ratgeber zeigt Ihnen genau, worauf Sie achten müssen.
Autor: GS Sachverständige
Lesezeit: 12 min
Februar 6, 2026

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Was ist der Europäische Unfallbericht?

Der Europäische Unfallbericht (auch Unfallprotokoll genannt) ist ein standardisiertes Formular, das in ganz Europa einheitlich verwendet wird. Er dient dazu, den Unfallhergang direkt am Unfallort zu dokumentieren. Beide Unfallbeteiligten füllen ihn gemeinsam aus und unterschreiben ihn.

Besonders wichtig ist dabei: Der Unfallbericht ist kein Schuldeingeständnis. Er dokumentiert lediglich die Fakten – also was passiert ist, wo es passiert ist und wer beteiligt war. Die Schuldfrage wird später von der Versicherung oder einem Gericht geklärt.

Sie können den Unfallbericht beim ADAC herunterladen oder bei Ihrer Versicherung anfordern. Am besten legen Sie immer ein Exemplar ins Handschuhfach, damit Sie im Ernstfall vorbereitet sind.

Aufbau des Unfallberichts

Die fünf Bereiche im Überblick

Der Europäische Unfallbericht ist übersichtlich in fünf Bereiche unterteilt. Wenn Sie den Aufbau kennen, fällt das Ausfüllen deutlich leichter:

  • Kopfbereich: Datum, Uhrzeit, Unfallort, Verletzte, Polizei-Infos und Zeugen
  • Fahrzeug- und Versicherungsdaten: Angaben zu beiden Fahrzeugen und ihren Versicherungen
  • Kreuzchenspalte: 17 typische Verkehrssituationen zum Ankreuzen – das Herzstück des Berichts
  • Unfallskizze: Zeichnung des Unfallhergangs mit Straßenverlauf und Fahrzeugpositionen
  • Ergänzende Bemerkungen: Platz für zusätzliche Angaben und Beschreibungen

Jeder Bereich ist wichtig und sollte sorgfältig ausgefüllt werden. Denn unvollständige Angaben führen häufig zu Verzögerungen bei der Schadensregulierung.

Schritt 1: Kopfbereich und Personendaten ausfüllen

Allgemeine Unfalldaten

Im Kopfbereich tragen Sie die grundlegenden Informationen zum Unfall ein. Achten Sie dabei besonders auf die Vollständigkeit, weil fehlende Angaben die Regulierung verzögern können:

  • Datum und Uhrzeit: So genau wie möglich angeben
  • Unfallort: Straße, Hausnummer oder Kilometerangabe, Gemeinde
  • Verletzte: Angabe, ob Personen verletzt wurden
  • Sachschäden: Gibt es Schäden an anderen Gegenständen?
  • Zeugen: Name, Adresse und Telefonnummer notieren
  • Polizei: War die Polizei vor Ort? Dienststelle eintragen

Daten beider Fahrer und Fahrzeuge

Für beide Unfallbeteiligten werden die gleichen Daten erfasst. Dazu gehören der Name und die Adresse des Fahrzeughalters, die Führerscheindaten des Fahrers, das Kennzeichen und die Fahrzeugdaten sowie die Versicherungsgesellschaft und die Versicherungsnummer. Prüfen Sie alle Angaben auf Richtigkeit, bevor Sie unterschreiben.

Das Herzstück des Unfallberichts

Die Kreuzchenspalte enthält 17 typische Verkehrssituationen. Sie kreuzen nur die Punkte an, die auf Ihre Situation zutreffen. Dabei ist Genauigkeit besonders wichtig, weil die Versicherung anhand dieser Angaben den Unfallhergang nachvollzieht.

Alle 17 Punkte im Überblick

Hier sind die 17 Punkte, die Sie im Unfallbericht finden:

  • 1. stand/war geparkt
  • 2. fuhr vom Parkplatz ab / öffnete die Tür
  • 3. wollte auf dem Parkplatz einparken
  • 4. fuhr aus einem Parkplatz, einem privaten Grundstück, einem Feldweg heraus
  • 5. fuhr auf einen Parkplatz, ein privates Grundstück, einen Feldweg
  • 6. fuhr in einen Kreisverkehr ein
  • 7. fuhr im Kreisverkehr
  • 8. fuhr in gleicher Richtung und auf gleicher Fahrspur
  • 9. fuhr in gleicher Richtung auf anderer Fahrspur
  • 10. wechselte die Fahrspur
  • 11. überholte
  • 12. bog nach rechts ab
  • 13. bog nach links ab
  • 14. fuhr rückwärts
  • 15. fuhr auf die Gegenfahrbahn
  • 16. kam von rechts (an einer Kreuzung)
  • 17. hatte das Vorfahrtszeichen nicht beachtet

So kreuzen Sie richtig an

Kreuzen Sie nur die Punkte an, die tatsächlich zutreffen. Lassen Sie alle anderen frei. Falls mehrere Punkte passen, kreuzen Sie alle zutreffenden an. Am Ende zählen Sie die Kreuze zusammen und tragen die Summe in das vorgesehene Feld ein. Außerdem sollten Sie darauf achten, dass beide Unfallbeteiligten ihre jeweilige Spalte selbst ausfüllen.

Tipp: Immer einen Unfallbericht im Auto haben

Im Stress nach einem Unfall haben die wenigsten Betroffenen einen Unfallbericht dabei. Drucken Sie deshalb am besten zwei Exemplare aus und legen Sie sie ins Handschuhfach. So sind Sie vorbereitet und können den Bericht direkt am Unfallort ausfüllen. Den Europäischen Unfallbericht können Sie kostenlos beim ADAC oder bei Ihrer Versicherung herunterladen.

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Schritt 3: Unfallskizze zeichnen

So zeichnen Sie die Skizze

Die Unfallskizze ist der dritte wichtige Teil des Unfallberichts. Sie zeigt den Straßenverlauf, die Positionen der Fahrzeuge und den Unfallhergang. Eine gute Skizze hilft der Versicherung dabei, den Unfall besser nachzuvollziehen.

Achten Sie beim Zeichnen auf folgende Elemente:

  • Straßenverlauf: Zeichnen Sie die Straße mit Fahrspuren und Richtungspfeilen
  • Fahrzeugpositionen: Markieren Sie beide Fahrzeuge mit A und B
  • Kollisionspunkt: Zeichnen Sie ein X an die Stelle des Zusammenstoßes
  • Verkehrszeichen: Tragen Sie relevante Schilder und Ampeln ein
  • Straßennamen: Beschriften Sie die Straßen

Die Skizze muss nicht künstlerisch perfekt sein. Trotzdem sollte sie den Unfallhergang klar und verständlich darstellen. Zeichnen Sie deshalb nicht zu klein und verwenden Sie klare Beschriftungen.

Häufige Fehler beim Ausfüllen

Fehler 1: Zu wenig oder falsch ankreuzen

Kreuzen Sie alle zutreffenden Punkte in der Kreuzchenspalte an. Fehlende Kreuze können zu Ihrem Nachteil ausgelegt werden, weil die Versicherung nur das berücksichtigt, was dokumentiert ist. Kreuzen Sie allerdings auch nichts an, was nicht stimmt – das wäre eine Falschaussage.

Fehler 2: Schuldeingeständnis unterschreiben

Manche Unfallgegner drängen am Unfallort auf ein Schuldeingeständnis. Das sollten Sie auf keinen Fall unterschreiben, denn der Unfallbericht ist neutral. Die Schuldfrage klärt die Versicherung oder ein Gericht – nicht Sie am Unfallort.

Fehler 3: Unvollständige Daten

Tragen Sie alle Daten vollständig ein. Besonders die Versicherungsnummer und die Kontaktdaten des Gegners sind wichtig. Ohne diese Angaben kann die Schadensregulierung erheblich verzögert werden.

Fehler 4: Nachträgliche Änderungen

Ändern Sie den Unfallbericht nach dem Unterschreiben nicht mehr. Falls etwas falsch eingetragen wurde, streichen Sie es durch und schreiben Sie den korrekten Wert daneben. Beide Parteien sollten die Korrektur zusätzlich abzeichnen.

Fehler 5: Keine Kopie behalten

Der Unfallbericht besteht aus Durchschlägen. Stellen Sie sicher, dass jeder Beteiligte eine Kopie behält. Ohne Ihre Kopie haben Sie keinen Nachweis über die gemeinsam dokumentierten Fakten.

Was tun, wenn der Gegner nicht mitmacht?

Wenn der Gegner sich weigert

Nicht jeder Unfallgegner ist kooperativ. Manche weigern sich, den Unfallbericht auszufüllen, oder wollen den Unfallort verlassen. In diesem Fall sollten Sie folgende Schritte unternehmen:

  • Notieren Sie das Kennzeichen des Gegners und fotografieren Sie es
  • Rufen Sie die Polizei unter 110, weil ein unkooperativer Gegner ein berechtigter Grund für einen Polizeieinsatz ist
  • Bitten Sie Zeugen, den Vorfall zu bestätigen
  • Füllen Sie Ihren Teil des Unfallberichts allein aus und notieren Sie den Grund für die fehlende Unterschrift

Bei Fahrerflucht des Gegners

Falls der Gegner den Unfallort verlässt, ohne seine Daten zu hinterlassen, handelt es sich um Fahrerflucht. Das ist eine Straftat nach §142 StGB. Rufen Sie sofort die Polizei und notieren Sie so viele Details wie möglich: Kennzeichen, Fahrzeugfarbe, Fahrzeugtyp und Fluchtrichtung.

Mehr dazu lesen Sie in unserem Ratgeber Polizei rufen nach Unfall.

Checkliste: Unfallbericht ausfüllen

  • Unfallbericht aus dem Handschuhfach holen
  • Ruhe bewahren und Zeit nehmen beim Ausfüllen
  • Datum, Uhrzeit und Unfallort vollständig eintragen
  • Daten beider Fahrer und Fahrzeuge notieren
  • Versicherungsdaten beider Seiten eintragen
  • Nur zutreffende Punkte in der Kreuzchenspalte ankreuzen
  • Unfallskizze sorgfältig zeichnen
  • Ergänzende Bemerkungen zum Hergang eintragen
  • Beide Seiten unterschreiben lassen
  • Kein Schuldeingeständnis unterschreiben
  • Kopie für beide Beteiligten sicherstellen
  • Fotos vom ausgefüllten Bericht machen

Fazit: Sorgfalt schützt Ihre Ansprüche

Der Unfallbericht ist Ihr wichtigstes Dokument am Unfallort. Wer ihn sorgfältig und vollständig ausfüllt, hat bei der späteren Schadensregulierung einen klaren Vorteil.

  • Vorbereitet sein: Unfallbericht immer im Handschuhfach haben
  • Vollständig ausfüllen: Alle Daten, alle zutreffenden Kreuze, eine klare Skizze
  • Kein Schuldeingeständnis: Der Bericht dokumentiert nur den Hergang
  • Kopie behalten: Immer eine eigene Kopie sichern
  • Fotos machen: Zusätzlich den ausgefüllten Bericht fotografieren

Häufige Fragen

Ja, beide Beteiligten sollten den Unfallbericht unterschreiben. Die Unterschrift bestätigt nur die dokumentierten Fakten – sie ist kein Schuldeingeständnis. Falls der Gegner nicht unterschreiben will, vermerken Sie das auf dem Formular.
Dann dokumentieren Sie den Unfall so gut wie möglich mit Fotos, Zeugenaussagen und eigenen Notizen. Trotzdem ist ein ausgefüllter Unfallbericht immer die bessere Lösung, weil er standardisiert und anerkannt ist.
Die Kreuzchenspalte enthält genau 17 Punkte, die typische Verkehrssituationen beschreiben. Sie kreuzen nur die Punkte an, die auf Ihre Situation tatsächlich zutreffen.
Nein, nachträgliche Änderungen sollten Sie vermeiden. Falls etwas falsch eingetragen wurde, streichen Sie es noch vor dem Unterschreiben durch und schreiben den korrekten Wert daneben. Beide Parteien sollten die Korrektur abzeichnen.
Sie können den Unfallbericht kostenlos beim ADAC herunterladen oder bei Ihrer Kfz-Versicherung anfordern. Am besten drucken Sie zwei Exemplare aus und legen sie ins Handschuhfach.

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  • Hinweis:
    Die Kosten für den unabhängigen Kfz Sachverständigen muss die Haftpflicht-Versicherung des Unfallverursachers übernehmen. Sollte die Schuldfrage noch ungeklärt sein, ist ein unabhängiger Kfz Sachverständiger hilfreich und kann viel zur Aufklärung des Unfalls beitragen.
*Bei unverschuldetem Unfall übernimmt die gegnerische Haftpflichtversicherung die Gutachterkosten (§249 BGB). Voraussetzung: Schaden über der Bagatellgrenze (~750€). Wir prüfen das kostenlos mit Ihnen.
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